GER-GRE VISION: Transnationale kleine Partnerschaft zwischen ANCE und Laial e.V.
GER-GRE VISION: Transnationale kleine Partnerschaft zwischen ANCE und Laial e.V.
Wie gelingt Jugendarbeit, die junge Geflüchtete und Migrant*innen wirklich erreicht, stärkt und beteiligt? Dieser Frage sind wir von Februar 2025 bis Juli 2026 gemeinsam mit unserer griechischen Partnerorganisation ANCE – Athens Network of Collaborating Experts nachgegangen. Im Rahmen der kleinen Partnerschaft „GER-GRE VISION: For a Visionary, Inclusive, Sustainable, Innovative, Open-Minded and Networked Youth Work in Germany & Greece“ haben wir voneinander gelernt, uns gegenseitig besucht und unsere Erfahrungen für andere Fachkräfte zugänglich gemacht. Gefördert wurde das Projekt durch das Programm Erasmus+ Jugend der Europäischen Union.
Warum dieses Projekt?
In Deutschland wie in Griechenland gewinnen rechte Stimmen an Einfluss. Viele junge Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte fühlen sich zunehmend unsicher und ausgegrenzt. Gleichzeitig stehen die Fachkräfte, die sie begleiten, unter wachsendem Druck – viele von uns kennen Erschöpfung und Burn-out aus nächster Nähe. Wir wollten uns deshalb bewusst Zeit nehmen: um neue Methoden kennenzulernen, unsere eigene Haltung zu reflektieren, uns mit Gleichgesinnten auszutauschen und neue Kraft für unsere Arbeit zu schöpfen. Außerdem wollten wir von der langjährigen Erfahrung von ANCE mit europäischen Projekten lernen.
Studienbesuch in Berlin (16.–26. Juni 2025)
Im Juni 2025 durften wir das Team von ANCE und seine Partner*innen in Berlin begrüßen. Gemeinsam besuchten wir Orte und Initiativen, die uns seit Jahren begleiten und inspirieren:
•Das Kombinat und das Projekt PowerPeng!: Wir sahen den Horrorfilm „R.I.P. Romanistan“, den junge Rom*nja selbst gedreht haben, und diskutierten mit den jungen Filmemacher*innen. Außerdem besuchten wir das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Zum Abschluss führten die Jugendlichen selbst Videointerviews mit unseren Gästen.
•SumSum: Beim gemeinsamen Kochen in der Kantine erzählte Nafei Abou Assi, wie aus einem Foodtruck-Projekt von Laial ein eigenes Cateringunternehmen wurde.
•Frauengruppe Gena: Beim Picknick im Treptower Park lernten wir, wie migrantische Frauen und junge Menschen voneinander profitieren – intergenerationelle Sozialarbeit mit viel Herz.
•Schlesische 27 / Falscher Fisch: partizipative DIY-Werkstätten, in denen junge Menschen handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten entwickeln und Wege in die Ausbildung finden.
•Sochin Karate School: Kampfkunst als Mittel für Inklusion, Selbstvertrauen und Gemeinschaft.
Dazu kamen eine Stadtführung zu Berlins Geschichte, Migration und Inklusion, die Fête de la Musique und viele Stunden gemeinsamer Reflexion und Dokumentation.
Studienbesuch in Athen (9.–20. November 2025)
Im November 2025 ging es für unser Team nach Athen. ANCE hatte ein Programm vorbereitet, das genau auf unsere Interessen zugeschnitten war:
•Greek Forum of Migrants: ein selbstorganisiertes Netzwerk migrantischer Communities, das Rechtsberatung anbietet und den Dialog mit der Polizei sucht.
•Cinergies: eine soziale Kooperative, die mit partizipativem Video und Permakultur-Bildung arbeitet und unseren Besuch filmisch begleitet hat.
•Free Movement Skateboarding: Skateboarding auf einem öffentlichen Platz in Kato Patisia – niedrigschwellig, mitreißend und mit mehr Mädchen als Jungen auf dem Board.
•Food for Life und Food Yoga: gemeinsames veganes Kochen mit und für junge Migrant*innen und benachteiligte Gruppen.
In einem Workshop zu europäischen Förderprogrammen gaben uns unsere Partner*innen darüber hinaus einen Überblick über EuropeAid, Horizont Europa, Erasmus+ Kapazitätsaufbau, AMIF und CERV – für uns ein echter Gewinn. Auch ein gemeinsamer Ausflug auf eine Insel bei Athen durfte nicht fehlen.
Was ist entstanden?
•Neun dokumentierte Methoden inklusiver Jugendarbeit, fünf aus Berlin und vier aus Athen. Jede Methode ist mit ihren Stärken, aber auch mit ihren Grenzen beschrieben.
•Ein gemeinsames Positionspapier zu Praxis und Zielen visionärer, inklusiver Jugendarbeit. Unsere wichtigste Erkenntnis: Gute Jugendarbeit entsteht mit jungen Menschen, nicht für sie.
•Eine Zusammenfassung des Workshops zu EU-Förderprogrammen.
•Videos und Fotos von beiden Studienbesuchen, gedreht von jungen Rom*nja aus dem Projekt PowerPeng! und von Cinergies.
Alle Ergebnisse sind auf Englisch, Deutsch und Griechisch verfügbar.
Lokale Workshops
Im April 2026 haben wir die Ergebnisse mit Kolleg*innen geteilt. In Berlin kamen 16 Fachkräfte aus Jugendarbeit, Sozialarbeit und Kunst im Gemeinschaftsraum „Lauseria“ zusammen; Apostolos Amprazis von ANCE war online dabei. ANCE lud ebenfalls 16 Teilnehmende zu einem Online-Workshop in Athen ein.
Alle Ergebnisse zum Nachlesen
Methoden, Positionspapier, Videos und Fotos findet ihr frei zugänglich auf unserem Projekt-Padlet:
https://padlet.com/outrageousdutycorp/ger-gre-vision-g1au51ll2cg4jtpo
Wie geht es weiter?
Aus der Partnerschaft ist eine echte Freundschaft zwischen unseren Teams geworden. Gemeinsam mit ANCE bereiten wir bereits ein größeres Erasmus+-Projekt vor – bleibt gespannt!
Projektpartner:
ANCE – Athens Network of Collaborating Experts ist eine gemeinnützige Organisation aus Athen, gegründet 1996. Ihr multidisziplinäres Team setzt sich für Inklusion, Empowerment und Nachhaltigkeit ein und hat mehr als 140 Projekte in über 80 Ländern umgesetzt, unter anderem zu sozialer Inklusion, Jugendbeteiligung, aktiver Bürgerschaft und Geschlechtergerechtigkeit.
Website: www.ance-hellas.org
Projektnummer: 2024-3-DE04-KA210-YOU-000280979
Kofinanziert von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Erasmus+. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autor*innen und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.








